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Klimapolitik

In den späten Achtzigern und frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts ging man noch von der Möglichkeit aus, dass sich der CO2-Gehalt in der Atmosphäre gegenüber der vorindustriellen Zeit ohne Risiko bis auf rund 550 ppm verdoppelt werden könne (carbon doubling). Im Lauf der Zeit wurde dies aber als zu hoch eingeschätzt.

Das von Politikern in der EU festgelegte Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 2 °C bis 2100 (IPCC 2007) lässt sich nach Meinung von Klima- und Atmosphärenexperten nur mit einer raschen und einschneidenden Deckelung der CO2-Emissionen erreichen. Es beginnt sich abzuzeichnen, dass weltweit eine Reduzierung des CO2-Neueintrags in die Atmosphäre um rund 50% bis etwa 2050 erreicht werden muss, um die CO2-Konzentration in der Atmosphäre unter 450 ppm CO2 zu halten, die mit einer wahrscheinlichen Erwärmung auf 2°C bis 2100 verknüpft ist.

Eine Begrenzung der CO2-Konzentration auf 450 ppm bedeutet, dass der Eintrag von CO2 halbiert werden muss. Eine weltweite Halbierung auf Basis einer Pro-Kopf-Gleichheit von Emissionen bedeutet für die Industriestaaten jedoch eine weit größere Emissionsreduktion als 50%; die Berechnungen liegen zwischen 80% und 90%, je nach Höhe der heutigen CO2-Emissionen.

Die gegenwärtigen Politikmaßnahmen, ob in Deutschland oder weltweit, reichen bei weitem nicht zu einer solchen Reduktion aus. Sollten keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden, rechnet das IPCC in seinen Szenarien mit einem durchschnittlichen Temperaturanstieg zwischen 1,4 bis mindestens 6 C°.

So schreibt das Potsdam Institut in seiner Broschüre "Der Klimawandel - Einblicke, Rückblicke, Ausblicke"  „Der Klimawandel ist in vollem Gange und er lässt sich nicht aufhalten, sondern allenfalls verlangsamen“ (S. 125) und weiter „Die Klimastabilisierung lässt sich aber nicht mit der bisherigen Nutzung von Ressourcen vereinen. (....) Positive Rückkopplungen im Klimasystem könnten Veränderungen herbeiführen, die unsere Fähigkeit zur Anpassung überschreiten..“ Die Schlussfolgerung “Die großen, sozialen, politischen und technologischen Veränderungen könnten über das hinausgehen, was heutigen Regierungsstrukturen möglich ist.“  Dies macht klar, dass schnell sehr innovative Politikinstrumente und Durchsetzungskraft benötigt werden, um dieser Herausforderung zu begegnen.

Sir Nicholas Stern führte in seinem Report 2006 aus: Im business-as-usual-Szenario könnte sich der CO2-Gehalt gegen Ende des Jahrhunderts verdreifachen. Damit wäre mindestens ein 50% Risiko einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung von 5°C verbunden. Dies würde zu Umweltbedingungen führen, denen die Menschheit niemals zuvor in ihrer Geschichte ausgesetzt war.

Auf dem Weltklimagipfel auf Bali (2007) brachten führende Wissenschaftler eine Deklartion ein und forderten die Staaten der Welt auf, die Treibhausgaskonzentrationen bis 2050 mindestens um 50% weltweit im Vergleich zu 1990 zu reduzieren (s.o.). Langfristig müssten die Konzentrationen deutlich unter 450 ppm bleiben. Um einigermaßen sicherzustellen, dass die globale Erwärmung unter 2 Grad  bleibt müssten die Emissionen weltweit in den nächsten 10-15 Jahren ihren Höhepunkt erreichen, um dann abzunehmen. „So there is no time to lose.“ Außerdem forderten 150 Weltkonzerne die Politik auf, ihre Maßnahmen den Anforderungen der Klimatologen anzupassen und nicht noch mehr Zeit zu verlieren.

Prof. James Hansen vom Goddard Institute nannte am 23. Juni 2008 die Limitierung auf 450ppm zu gering. Auf den Tag genau warnt er an diesem Tag die Staatengemeinschaften seit 20 Jahren vor den Risiken des CO2 Anstiegs. Er geht von der Notwendigkeit einer Begrenzung auf 350ppm aus, denn die CO2 Emissionen wachsen jährlich um 3%. 
 
“The shocking conclusion I have reached is that the safe level of atmospheric carbon dioxide is no more than 350 parts per million and it may be less.  Today, CO2 emissions are increasing by 3 percent annually. Setting an upper limit of 350 PPM doesn´t just mean stopping this annual increase.  It will mean taking actions that, during this century, will lower the PPM level to less than 350.  Even if we do this, populations across the globe will still have to face significant adaption to climate change."
 
Mit ihm sieht das die Wissenschaftlergemeinde genauso, die die internationale Kampagne <350 ins Leben rief.

Innerhalb der nächsten sieben Jahre kann sich die Staatengemeinschaft nur noch eine sehr geringe Steigerung der CO2-Konzentration leisten. Dies ist der Zeitraum, in dem systemisch wirkende Lösungen entwickelt, politisch durchgesetzt und umgesetzt werden müssen. Dies ist die Zeit des Primats der Politik. Sie muss die klaren Leitlinien vorgeben, wie jenseits aller Freiwilligkeit Reduktionsziele erreicht werden können.

Das ist das Plädoyer für die Einführung von CO2 Quoten pro Kopf weltweit, aber zur Not auch EU-weit oder national. Sie mögen nicht die allerbeste Lösung sein, aber sie sind die umfassendste, schnellste und effektivste. Abwarten oder Verdrängen wird den Klimawandel nur verstärken und die ökonomische und die ökologische Basis der menschlichen Gesellschaft erodieren.

Kommentierte Links

Hier finden Sie die Zusammenfassung des Berichtes für politische Entscheidungsträger auf Deutsch. Er enthält ebenfalls eine kurze Erklärung der bearbeiteten Szenarien.

Hier finden Sie ausführliche Diskussionen zum Thema Emissionsquoten.

Hier finden Sie Auseinandersetzungen mit dem Reduktionsziel von 2 Grad, das als zu hoch umstritten in der heutigen Wissenschaft ist. Spratt und Sutton bezeichnen ihn als politischen Wert, einen Kompromiss ohne direkte wissenschaftliche Grundlage. Manche wie Prof. James Hansen (NASA) halten ihn schon für zu risikoreich und Sir Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, glaubt dass er aufgrund der schon laufenden Wechselwirkungen gar nicht mehr einhaltbar ist. Selbst die meisten IPCC Szenarien von 2007 übersteigen den Wert von 2 Grad

Hier finden Sie die Klima-Kolumnen des britischen Wissenschaftjournalisten und Aktivisten Geroge Monbiot u.a. auch Auseinandersetzungen mit dem Reduktionsziel auf 2 Grad Erwärmung.

Hier finden Sie mehr zu der Debatte um 2 Grad Erwärmung.

Hier finden Sie eine Linkliste des Goddard Institute der NASA  mit vielen unterschiedlichen Websites von NGOs inklusive Instituten, die zum Thema arbeiten u.a. die des Climate Action Network, das wiederum aus 365 NGOs besteht.

Hier finden sie die aktuellen Diskussionen zum Thema Klimawandel und Anpassung.

Hier finden Sie das 40% Emissionssenkungsprogramm des Umweltbundesamtes. Es enthält unterschiedliche Einzelmaßnahmen, die nicht systemisch konzipiert sind.

Update: 27.06.2008